Der North-Cascades-Nationalpark liegt im Bundesstaat Washington, weniger als drei Autostunden von Seattle entfernt. Über 300 Gletscher, schroffe Gipfel und mehr als 9.000 Fuß Höhenunterschied machen ihn zum am stärksten vergletscherten Gebiet der USA außerhalb Alaskas. Nur eine Straße führt in den Nationalpark hinein, alles andere erreichen Sie zu Fuß.
Was sollten Sie über den North-Cascades-Nationalpark wissen?
Wie erreichen Sie den Park, und welche Straßen gibt es?
Wie entstand das komplizierte Gebirge?
Warum gilt der Park als Land der Gletscher?
Welche Wälder und Pflanzen wachsen hier?
Welche Tiere leben im North-Cascades-Nationalpark?
Welche Menschen prägten diese Berge?
Was macht Stehekin so besonders?
Wie planen Sie Ihren Besuch?
Häufige Fragen
Der North-Cascades-Nationalpark gehört zu den wildesten Orten der Vereinigten Staaten. Er liegt im Norden des Bundesstaats Washington an der Grenze zu Kanada und wird oft übersehen, obwohl er zu den eindrucksvollsten Gebirgslandschaften des Landes zählt. Straßen gibt es kaum, dafür Gletscher, tiefe Täler und weite Wildnis.
Diese Seite erklärt, wie der Park aufgebaut ist, wie das komplizierte Gebirge entstand, welche Tiere und Wälder Sie erwarten, wie Sie die wichtigsten Straßen fahren, was in Stehekin besonders ist und welche Menschen diese Berge geprägt haben.
Was sollten Sie über den North-Cascades-Nationalpark wissen?
Der Nationalpark ist Teil eines größeren Verbundes: Der North Cascades National Park Service Complex entstand am 2. Oktober 1968 und umfasst den Nationalpark selbst, die Ross Lake National Recreation Area und die Lake Chelan National Recreation Area. Der Nationalpark hat einen nördlichen und einen südlichen Teil, dazwischen liegt die Ross Lake Recreation Area mit der Passstraße.
| Thema | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Lage | Norden des Bundesstaats Washington | weniger als drei Stunden von Seattle |
| Gründung | 2. Oktober 1968 | als Verbund aus drei Einheiten |
| Fläche des Verbunds | 684.237 Acres | rund 277.000 Hektar |
| Wildnisgebiet | 634.614 Acres, 93 Prozent | Stephen Mather Wilderness, seit 1988 |
| Höhenunterschied | über 9.000 Fuß | rund 2.750 Meter |
| Höchster Punkt | Goode Mountain, 9.206 Fuß | 2.806 Meter |
| Gletscher | über 300 | dazu zahllose Schneefelder |
| Seen und Teiche | über 300 | dazu tausende Meilen Flüsse und Bäche |
| Pflanzenarten | über 1.600 | acht Lebenszonen |
Der Verbund ist der Kern von mehr als zwei Millionen Acres bundesweit ausgewiesener Wildnis, einem der größten solchen Gebiete in den 48 zusammenhängenden US-Staaten. Das Ökosystem rund um den Park umfasst drei Millionen Acres Schutzfläche, die sich über zwei Länder erstrecken. Die Anreise erfordert ein Auto, Hinweise dazu stehen unter Mietwagen in den USA.
Wie erreichen Sie den Park, und welche Straßen gibt es?
Der Park hat nur eine Straße, die in seine Grenzen führt: die Cascade River Road. Sie zweigt in Marblemount von der State Route 20 ab und ist 23,1 Meilen (37 Kilometer) lang bis zum Trailhead am Cascade Pass. Die ersten zehn Meilen sind asphaltiert, danach folgt Schotter. Die Parkgrenze liegt bei Meile 18. Weiter oben folgen der Parkplatz Eldorado bei Meile 20, der Parkplatz Boston Basin bei Meile 22,5 und die Johnson Cabin etwa zwei Meilen vor dem Ende. Das letzte Stück von rund drei Meilen hinter Eldorado ist steil und schmal, mit wenigen Ausweichstellen und ohne Wendemöglichkeit bis zum Ende.
Alles andere erreichen Sie zu Fuß über Wanderwege. Die wichtigste Verbindung für Autofahrer ist die State Route 20, der North Cascades Highway. Sie quert den Verbund auf etwa 30 Meilen. Rechnen Sie mindestens eine Stunde Fahrzeit, dazu Zeit für Stopps. Die Stationen entlang der Strecke sind klar gegliedert.
| Meile | Halt | Was Sie dort finden |
|---|---|---|
| 119,9 | North Cascades Visitor Center | Ausstellungen zu Natur und Kultur, Blick auf die Picket Range vom Sterling Munro Boardwalk |
| 120,5 | Newhalem | Skagit Information Center, Tour durch das Gorge Powerhouse, einfache Wege durch Wald und an Bächen |
| 123,4 | Gorge Creek Falls | kurzer Lehrpfad zu einem Aussichtspunkt über Wasserfall, Schlucht und Staumauer |
| 131,7 | Diablo Lake Overlook | Blick auf den See und die umliegenden Gipfel |
| 134,3 | Happy Creek Forest Walk | schattiger Spaziergang durch moosbedeckten Wald |
| 136 | Ross Lake Overlooks | Ausblick über den Ross Lake |
Ross Lake trägt den Namen von J. D. Ross, der die Entwicklung des oberen Skagit-Tals für Seattle City Light begann. Weil der Highway dem Skagit-Tal folgt, sehen Sie auf wenigen Meilen sowohl Stauseen als auch hohe Gipfel.

Wie entstand das komplizierte Gebirge?
Die Geologie der North Cascades gehört zu den komplexesten und am wenigsten verstandenen Nordamerikas. Das Gebirge ist ein Flickenteppich aus Terranes, also Gesteinspaketen, die durch Verwerfungen voneinander getrennt sind. Diese Pakete entstanden tausende Meilen weiter südlich im Pazifik, wurden auf wandernden Ozeanplatten nach Norden getragen und verschmolzen vor etwa 90 Millionen Jahren. Bei der Kollision mit dem nordamerikanischen Kontinent zerbrachen die Pakete entlang nord-südlich verlaufender Verwerfungen, die heute noch zu sehen sind.
Später trugen Verwerfungen und Erosion das Gebirge zu einer fast ebenen Fläche ab. In den vergangenen 40 Millionen Jahren schob sich Ozeangestein unter die Region, schmolz teilweise und erzeugte Vulkanismus und granitische Körper. Granit bildet deshalb den Kern der Berge. Die erhobenen Granitzacken legen die Wurzeln der uralten Kollisionszone frei. Ein Teil der Schmelze erreichte als Lava die Oberfläche, wie am Mount Baker.
Das Gebirge ist nach wie vor in Bewegung: Die North Cascades heben, verschieben und verformen sich weiter. Weil sie so jung sind und nahe einer lebhaften Grenze zwischen tektonischen Platten liegen, eignen sie sich für die Erforschung von Gebirgsbildung, Erosion, Vulkanismus, Vergletscherung und Flussdynamik.
Warum gilt der Park als Land der Gletscher?
Im Verbund liegen über 300 Gletscher und unzählige Schneefelder. Er ist das am stärksten vergletscherte Gebiet der USA außerhalb Alaskas und einer der schneereichsten Orte der Erde. Die Eismassen speisen Seen und tausende Meilen Flüsse und Bäche. Die wichtigsten Einzugsgebiete sind der Skagit, der Stehekin und der Nooksack. Der Skagit mit seinen Nebenflüssen bildet das größte Einzugsgebiet, das in den Puget Sound entwässert.
Die meisten Gletscher sind im letzten Jahrhundert stark geschrumpft. Die Parkverwaltung beobachtet sie in einem eigenen Programm, ein Vergleichsfoto des Banded Glacier zeigt die Veränderung zwischen einer Aufnahme nach 1960 und einer von 2016. Insgesamt zählt der Park über 300 Seen und Teiche, sie bilden eine große Vielfalt an Lebensräumen.
Der Höhenunterschied von mehr als 9.000 Fuß erzeugt acht verschiedene Lebenszonen, von Tieflandwäldern und Feuchtgebieten bis zu Gipfeln und Eisfeldern. Der tiefste Punkt liegt bei rund 400 Fuß (122 Meter) am Skagit River an der Westgrenze, der höchste am Goode Mountain mit 9.206 Fuß (2.806 Meter).
Welche Wälder und Pflanzen wachsen hier?
Der Park erstreckt sich über die Wasserscheide der Cascades. Im feuchten Westen wächst gemäßigter Regenwald, im trockenen Osten ein Ponderosa-Kiefern-Ökosystem. Dazwischen liegen Übergangszonen. Mehr als 1.600 Pflanzenarten sind bisher nachgewiesen, Schätzungen für Moose, Flechten und Pilze könnten die Gesamtzahl mehr als verdoppeln.
Starker Regen und milde Winter lassen die Bäume im pazifischen Nordwesten sehr groß und alt werden. Douglasien bilden das hohe Kronendach, darunter wachsen Riesenlebensbäume (Western Redcedar) und schattentolerante Hemlocktannen. Manche Bestände wurden nie abgeholzt. Die Bäume sind so groß, dass frühe Siedler zuweilen in ausgehöhlten Baumstümpfen wohnten. Einen leichten Eindruck vermittelt der Happy Creek Forest Walk mit einem 0,3 Meilen langen, barrierefreien Holzsteg nahe dem Ross Dam. Der Horseshoe Bend Trail an der State Route 542 misst 1,5 Meilen.
Auch Gräser und Blumen sind vielfältig. Etwa 150 echte Grasarten kommen im Gebiet vor, rund die Hälfte ist heimisch. Wildblumen wachsen in allen Lebensräumen, Farne gedeihen im schattigen, feuchten Wald. Eine Pflanzenzucht des Parks zieht tausende heimische Pflanzen aus Samen und Stecklingen für die Wiederherstellung von Zeltplätzen und zertretenen Flächen.
Welche Tiere leben im North-Cascades-Nationalpark?
Etwa 75 Säugetierarten aus 20 Familien leben im Gebiet. Columbia-Schwarzwedelhirsche, Douglas-Hörnchen, Pfeifhasen und Murmeltiere sind häufig. Grauwolf, Fischermarder, Vielfraß und Puma sind selten und scheu. Rund 200 Vogelarten aus 38 Familien sind nachgewiesen, manche ziehen durch, andere bleiben das ganze Jahr. Zu den brütenden Arten zählen Weißkopfseeadler, Fischadler und Wanderfalke.
Im Wasser leben mindestens 28 Fischarten. Das Einzugsgebiet des Skagit hat Wanderungen aller pazifischen Lachsarten, in den zusammenhängenden USA ist das nur in wenigen Einzugsgebieten der Fall. Hinzu kommen etwa 21 Reptilien- und Amphibienarten, über 500 Arten an Landinsekten und rund 250 Arten wirbelloser Wassertiere.
Eine besondere Geschichte hat der Grizzlybär. Er lebte immer in den North Cascades, doch Trapper, Bergleute und Prämienjäger erlegten im 19. Jahrhundert den größten Teil der Population, die meisten Verluste bis etwa 1860. Der Bestand schrumpfte zu einem kleinen Rest, begrenzt durch die schwierige Partnersuche und eine sehr langsame Fortpflanzung. Auf Bundesebene ist der Grizzly als bedroht eingestuft, im Bundesstaat als gefährdet. Wie viele Tiere übrig sind, weiß niemand, es sind sehr wenige. Erwachsene Tiere nutzen Streifgebiete von etwa 100 bis über 600 Quadratmeilen.
Grizzlys unterscheiden sich von Schwarzbären durch einen Muskelhöcker auf den Schultern, runde Ohren und Vorderkrallen von über zwei Zoll Länge, mit denen sie graben. Die Fellfarbe verrät die Art nicht, sie reicht beim Grizzly von fast weiß bis schwarz. Beide Arten verdienen Respekt und Abstand.

Welche Menschen prägten diese Berge?
Die Region ist seit mindestens 8.000 Jahren bewohnt und die Heimat der Coast- und Interior-Salish-Völker. In der Parkregion sind 260 vorgeschichtliche Fundplätze erfasst, manche sind über 8.500 Jahre alt. Grabungen am Cascade Pass belegen menschliche Aktivität über die letzten 9.600 Jahre, und die Nutzung alpiner Obsidianquellen im Park reicht rund 5.000 Jahre zurück. Die Hochlagen waren wirtschaftlich wichtig für die Völker der Nordwestküste.
Viele Ortsnamen behalten die Namen der Ureinwohner, etwa Sahale, Nooksack, Shuksan, Nohokomeen, Hozomeen, Skagit und Stehekin. Einige Orte wie Diablo tragen spanische Namen. Die Chelan hinterließen an Felswänden rund um den Lake Chelan Piktogramme, gemalt mit rotem Ocker, einer natürlichen Form von Eisenoxid. Eine Nachbildung einer dieser Tafeln hängt im North Cascades Visitor Center in Newhalem.
Im frühen 19. Jahrhundert zogen Pelzhändler und Entdecker durch die Berge, im frühen 20. Jahrhundert beanspruchten Siedler und Bergleute das Land. Das Gelände war schwierig, weshalb vieles im öffentlichen Besitz blieb. Von 1892 bis 1967 gab es zahlreiche Vorschläge, das Gebiet als Nationalpark zu schützen. Zu den historischen Stätten zählen Minen und Bergbaulager, Feuerwachtürme, Schäferlager, Sägewerke, Heimstätten und ein verschollenes Hotel. Über 81 nationale Bauwerke und Reste von mindestens 23 historischen Kulturlandschaften gehören zum Park.
Das Wildnisschutzkonzept geht auf den Wilderness Act zurück, den Präsident Lyndon B. Johnson am 3. September 1964 unterzeichnete. Das Gesetz definiert Wildnis als Gebiet, in dem die Erde und ihre Lebensgemeinschaft vom Menschen unberührt sind. 1988 wies der Washington Park Wilderness Act 634.614 Acres als Stephen Mather Wilderness aus.

Was macht Stehekin so besonders?
Stehekin liegt am nördlichen Ende des Lake Chelan, einem der tiefsten Seen der USA. Zur Lake Chelan National Recreation Area gehören 61.949 Acres, darunter das Stehekin-Tal, der Ort und der nördliche Teil des Sees. Es gibt keine Straße nach Stehekin. Sie kommen zu Fuß, per Boot oder mit dem Flugzeug an, im Tal selbst gehen Sie zu Fuß, fahren Rad oder nutzen einen Shuttle.
Der Name stammt aus den Salish-Sprachen. Im Lushootseed, einer Küstensprache, bedeutet er „Wendeplatz“, im Interior Salish bezieht er sich auf Berggipfel. Das Tal war lange eine Route zwischen dem Inneren der Wildnis und den North Cascades. Der Stehekin Landing mit seinem Holzsteg ist der Ankunftspunkt der kleinen Gemeinde. Die historische Obstplantage Buckner Orchard hat noch ihre Originalgebäude. Zu den bekannten Bewohnern zählten Lloyd und Amy Bell, die Unterricht gaben und die Schule unterstützten.
Von Stehekin aus führen viele Wege, leichte wie anspruchsvolle, in die Stephen Mather Wilderness und in angrenzende Wildnisgebiete der National Forests.
Wie planen Sie Ihren Besuch?
Für einen ersten Besuch reicht eine Fahrt über die State Route 20 mit mehreren Stopps. Die Anreise per Mietwagen dauert von Seattle weniger als drei Stunden. Als Einreisedokument benötigen Sie aus Europa die ESTA für die USA. Wer eine längere Tour plant, findet im Pazifischen Nordwesten mehr Ziele, darunter den Olympic-Nationalpark und den Mount-Rainier-Nationalpark.
Die Wetterlage in den Bergen entscheidet über jede Tagesplanung. Informationen zur Wahl der Jahreszeit stehen unter beste Reisezeit für Nordamerika. Eine Übersicht über weitere Ziele bietet die Seite Nationalparks der USA.
Wo liegt der North-Cascades-Nationalpark?
Im Norden des Bundesstaats Washington, weniger als drei Stunden von Seattle entfernt, an der Grenze zu Kanada.
Wie groß ist der Verbund?
Der Verbund umfasst 684.237 Acres, rund 277.000 Hektar. 93 Prozent davon sind als Stephen Mather Wilderness geschützt.
Wie viele Gletscher gibt es?
Über 300. Der Park ist das am stärksten vergletscherte Gebiet der USA außerhalb Alaskas.
Wie kommt man nach Stehekin?
Nur zu Fuß, per Boot oder mit dem Flugzeug. Es gibt keine Straße dorthin.
Welche Straße führt durch den Park?
Die State Route 20, der North Cascades Highway, quert den Verbund auf rund 30 Meilen. Die Cascade River Road ist die einzige Straße, die bis in den Nationalpark hineinführt.
Gibt es Grizzlybären?
Ja, aber nur sehr wenige. Der Grizzly ist auf Bundesebene bedroht, im Bundesstaat gefährdet.
Weitere Gebirgsparks im Westen sind der Glacier-Nationalpark und der Yellowstone-Nationalpark.
