Teotihuacán
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Teotihuacán

Teotihuacán liegt im Bundesstaat México nordöstlich von Mexiko-Stadt und gehört seit 1987 zum Welterbe. Die Stadt folgt einem rechtwinkligen Plan mit der Straße der Toten als Hauptachse. An ihr stehen Sonnen- und Mondpyramide, die Ciudadela mit dem Tempel der Gefiederten Schlange und Palastviertel mit Wandmalereien. Der Name der Erbauer für ihre Stadt ist unbekannt.

Wer von Mexiko-Stadt nach Nordosten fährt, erreicht ein Hochtal, in dem eine der größten Städte des antiken Mesoamerika stand. Der heutige Name Teotihuacán stammt aus dem Nahuatl und bedeutet sinngemäß „Ort der Götter“ oder „Ort, an dem die Götter erschaffen wurden“. Gruppen, die im 13. Jahrhundert aus dem Norden einwanderten, fanden die Stadt verlassen vor und gaben ihr diesen Namen. Der ursprüngliche Name ist unbekannt.

Diese Seite führt durch die Stadt: ihre Entstehung, die Gesellschaft, die großen Bauten entlang der Straße der Toten, die Wandmalereien in den Palästen, die Handelsbeziehungen und die Forschungsgeschichte. Sie ergänzt die Seite Yucatán und die Maya-Stätten, denn Teotihuacán gehört nicht zur Maya-Welt, sondern zum Hochland von Zentralmexiko. Den Ausflug ab der Hauptstadt planen Sie mit dem Reiseführer Mexiko-Stadt, die Jahreszeit mit der Seite beste Reisezeit in Nordamerika.

Was sollten Sie über Teotihuacán auf einen Blick wissen?

Die Tabelle fasst die belegten Eckdaten zusammen. Die Abschnitte darunter erklären sie im Zusammenhang.

ThemaAngabeEinordnung
LageGemeinde Teotihuacán, Bundesstaat MéxicoNordöstlich von Mexiko-Stadt
NameNahuatl, „Ort der Götter“Vergeben von späteren Zuwanderern, nicht von den Erbauern
Welterbe1987Eintragung als Kulturerbe
AnfängeRund drei Jahrhunderte vor unserer ZeitrechnungDorfbewohner aus dem Süden der fünf Seen im Becken von Mexiko
Große BautenBis zum 3. Jahrhundert n. Chr.Sonnenpyramide, Mondpyramide, Straße der Toten
StadtplanRechtwinkliges RasterNord-Süd-Achse: Straße der Toten
QuerachseKanäle des Río San JuanDer Flusslauf wurde in die Planung einbezogen
Ciudadela400 m SeitenlängePlattform mit dem Tempel der Gefiederten Schlange
BauweiseTalud-TableroSchräge Böschung mit senkrechter Rahmenwand
ForschungSeit 1962 vom INAH koordiniertErste Erkundung eines Bauwerks 1675

Wie entstand die Stadt, und wer lebte hier?

Die Besiedlung des Hochtals begann lange vor der christlichen Zeitrechnung. Etwa drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung entstand eine Gemeinschaft, die von Dorfbewohnern aus dem Süden der fünf Seen im Becken von Mexiko gegründet wurde. Daraus wuchs über viele Generationen eine Stadt. Bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. standen die Sonnenpyramide, die Mondpyramide und die Straße der Toten. Teotihuacán war die Hauptstadt eines der frühesten organisierten Staaten Mesoamerikas und ein Zentrum von Politik, Wirtschaft, Handel, Religion und Kultur.

Die Gesellschaft war vielschichtig und hierarchisch aufgebaut. Ganz oben standen die Priester, darunter der Kriegeradel. Es folgten Künstler und Handwerker, Bauleute, Bergleute und eine große Zahl von Bauern. Die Bevölkerung war nicht einheitlich. Manche Gruppen aus der Fremde lebten in eigenen Vierteln, so Zapoteken aus dem heutigen Oaxaca. Die Stadt war damit ein Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Regionen zusammenlebten, handelten und arbeiteten.

Die Wohnviertel gliederten sich in Nachbarschaften, von denen viele einen eigenen Tempel und einen eigenen Platz besaßen. In Gebäuden und Gräbern aller sozialen Schichten wurden Keramik und Steinobjekte als Opfergaben niedergelegt. Das Totenritual galt also nicht nur einer Oberschicht. Die Menschen glaubten an ein Leben nach dem Tod: Die Verstorbenen wurden mit Beigaben und in feierlicher Kleidung bestattet, wie für eine Reise.

Wie ist das Stadtraster angelegt?

Die Stadt wurde nicht gewachsen, sondern geplant. Der Entwurf ist rechtwinklig. Die Hauptachse verläuft von Nord nach Süd und wird von der Straße der Toten gebildet, an der die bedeutendsten Bauten aufgereiht sind: die Pyramiden von Sonne und Mond, die Ciudadela und mehrere Palastanlagen. Die Querachse von Ost nach West bilden die Kanäle des Río San Juan. Der Fluss wurde so umgeleitet, dass er die Straße der Toten kreuzt. Ein Naturelement wurde damit zum festen Bestandteil des Stadtplans.

Auch die Landschaft spielte eine Rolle. Die Anlage steht in Beziehung zu Erhebungen der Umgebung, namentlich zum Cerro Gordo und zur Sierra de Patlachique.

Für die astronomischen Bezüge kennt man zwei Schlüsselorte: die Sonnenpyramide und eine nahe gelegene Höhle, die sogenannte astronomische Höhle. Am 13. August geht die Sonne genau vor der Sonnenpyramide unter, am 19. Februar geht sie hinter ihr auf. In der Höhle wurde der Zenitdurchgang der Sonne beobachtet, der zweimal im Jahr stattfindet. Die Forscher sind sich einig, dass die Struktur der Stadt nach astronomischen Fixpunkten ausgerichtet wurde.

Trockenes Hochtal mit Pfefferbäumen und niedrigen Hügeln im flachen Licht in Zentralmexiko

Was bietet der Bereich der Sonnenpyramide?

Die Pyramide des Sonnengottes gehört zu den ältesten Bauten der Stadt und ist ihr größtes Bauwerk. Zum Komplex gehören ein rechteckiger Platz mit drei kleinen Tempeln und einem Schrein, eine Verwaltungseinheit und ein Wohnbereich. In einem nahen Wohnkomplex fanden sich etwa 30 Wandbilder, meist mehrfarbig. Zu den Motiven zählen eine Spiralschlange in einem Rahmen aus Stufenmustern, ein Schmetterling mit Augen aus konzentrischen Kreisen, herabsteigende geflügelte Gestalten, ein Jaguar, der eine Agave umarmt, und ein Vogel auf einem Schild mit fünfzackigem Stern.

Zur Geschichte der Pyramide gehört eine Restaurierung des frühen 20. Jahrhunderts. Leopoldo Batres grub und rekonstruierte im Auftrag von Präsident Porfirio Díaz Bereiche bei Mond- und Sonnenpyramide und gründete das erste Museum der Stätte.

Was zeigt die Ciudadela mit dem Tempel der Gefiederten Schlange?

Die Ciudadela ist eine ummauerte Plattform von 400 Metern Seitenlänge, die einen großen rechteckigen Platz umschließt. Sie enthält den Tempel der Gefiederten Schlange, auch Tempel des Quetzalcóatl genannt, einen großen Platz mit einem Schrein in der Mitte und zwei Wohneinheiten.

Der Tempel wurde ursprünglich über sieben Ebenen im Stil Talud-Tablero errichtet. An den senkrechten Tafeln wechseln Skulpturen zweier göttlicher Ungeheuer einander ab. Auf den geneigten Wänden verlaufen Gefiederte Schlangen im Flachrelief, vor einem Hintergrund aus Meeresmotiven. In den Fundamenten fanden sich Opfergaben, die vor allem aus menschlichen Überresten bestanden. Zwei Nachbildungen davon zeigt das Museum der Teotihuacán-Kultur. Tafeln mit kosmogonisch-kalendarischen Motiven zeigen Kreismuster in einem Rahmen aus sich kreuzenden Bändern.

Reisetipp Rechnen Sie für die Straße der Toten mehr Zeit ein als für die Pyramiden selbst. Die Wege sind lang und offen. Ein Hut und Wasser gehören in jeden Rucksack, und wer früh startet, sieht die Bauten im flachen Licht.

Welche Paläste und Wandbilder gibt es rund um die Mondplaza?

Südwestlich der Plaza de la Luna liegt der Palast des Quetzalpapálotl, auch Palast der Schmetterlinge genannt. Sein Innenhof besitzt Pfeiler mit Flachreliefs von Vögeln im Profil und von vorn mit gespreizten Flügeln. In den vier Säulenhallen sind Wandbilder erhalten, darunter Stufenmuster mit Glimmerscheiben sowie Wellen, Augen und Schnecken.

Westlich davon liegt der Patio der Jaguare. Seine Hallenwände zeigen zwei Szenen mit Raubkatzen: eine Prozession reich geschmückter Tiere, die Muschelinstrumente tragen, und kleinere Netzjaguare, die von zwei menschlichen Händen bewacht werden. Der Tempel der Gefiederten Schnecken besitzt eine Pyramidenbasis, auf der in vier mehrfarbigen Tafeln Vögel in einer Prozession zu sehen sind. Auf der Tempelfassade finden sich Blüten mit vier Blütenblättern und große gefiederte Schnecken, die direkt auf den Fels gemalt sind.

Nahe der Plaza de la Luna steht auch das Gebäude der mythologischen Tiere, dessen farbige Wandbilder Auseinandersetzungen zwischen Tieren vor waagerechten Bändern in Gelb, Blau oder Grün und Rot zeigen. Am Nordende der Straße der Toten zeigt das Pumabild ein großes Tier im Profil, das über Wellenbänder läuft, in einem Rahmen aus grünen Jadesteinen auf dunklem Rot.

Agavenfeld mit hohen Blütenständen vor einem fernen Vulkan im Dunst in Mexiko

Was liegt entlang der Straße der Toten noch?

Der Große Komplex liegt neben der Straße der Toten. In seinem Inneren fanden sich Wandbilder aus verschiedenen Bauphasen, darunter ein Priester zwischen Blüten mit vier Blütenblättern und Netzkatzen auf gegliederten Kreisen mit einer Tlaloc-Kopfborte. Der Tempel der Landwirtschaft besteht aus vier übereinanderliegenden Bauphasen. Aus der zweiten stammen drei große Wandbilder, die im Museum der Wandbilder von Teotihuacán zu sehen sind.

Gegenüber der Straße, hinter der Brücke über den Río San Juan, liegt der Komplex der übereinandergebauten Gebäude. Seine Wandbilder zeigen geometrische Muster, die Beziehungen zu Kulturen am Golf von Mexiko erkennen lassen. Auf dem Platz der übereinandergebauten Altäre steht ein Altar mit symmetrischen Schnörkel- und Flechtmustern auf allen vier Seiten.

Westlich der Straße liegt der Komplex der Westplaza mit einem großen Hof, in dem ein Altar von drei Tempeln eingefasst ist. Hier wurden zahlreiche Mahlsteine, Skulpturen und Alltagskeramik gefunden. Östlich der Straße befindet sich der Komplex der Ostplaza mit der Unterstruktur der Gruppe 17, dem Tempel des Tlaloc, und der Struktur 1G, deren Fassade ein schachbrettartiges Wandbild mit roten X-Motiven auf Weiß trägt.

Welche Wohnviertel mit Wandbildern gehören zur Stadt?

Neben dem zeremoniellen Zentrum bestanden Wohn- und Palastbereiche. Im Westen liegen La Ventilla, Tetitla, Zacuala und Yayahuala, im Osten Xala und Tepantitla. Tetitla, Atetelco und Tepantitla sind besonders für ihre Wandbilder bekannt. Die Malerei zeigt Vorstellungen von der Welt und der Umwelt der Menschen. Sie war nicht auf Tempel beschränkt, sondern schmückte auch Wohnhöfe und Innenräume.

Die Stadt verehrte eine Reihe von Gottheiten, deren ursprüngliche Namen nicht überliefert sind. Die später verbreiteten Nahua-Namen weichen davon ab. Dazu gehörten Tlaloc für Regen und Landwirtschaft, Huehuetéotl für das Feuer, Chalchiuhtlicue für das fließende Wasser, Quetzalcóatl für Schöpferkraft und den Morgenstern und Xipe Tótec für den Mais.

Welche Verbindungen unterhielt die Stadt zu anderen Regionen?

Handel und politische Beziehungen reichten in den trockenen Norden des heutigen Zacatecas, auf die Halbinsel Yucatán und in das Maya-Hochland von Petén. Handelswege führten in die Täler um Monte Albán, nach Cholula und nach Matacapan im heutigen Veracruz sowie nach Kaminaljuyú und Tikal in Guatemala. Der Einfluss zeigt sich in Keramik und Architektur.

In die Stadt gelangten Baumwolle, kostbare Federn, feine Decken, Schmuck aus Muscheln und Schnecken, Jade sowie zahlreiche Früchte und Gemüse. Im Nordwesten lag ein Viertel, in dem Menschen aus dem Gebiet von Oaxaca lebten. Das Zapotekenviertel heißt auch Tlailotlacan, „Ort der Menschen aus fernen Ländern“. Archäologen des INAH arbeiten dort seit 1960 in Grabungskampagnen. Es zeugt von der Verbindung zur zapotekischen Hauptstadt Monte Albán, die über Handel und Austausch bestand. Eine allgemeine Einführung zu den frühen Kulturen bietet die Seite präkolumbische Kulturen Nordamerikas.

Wie wurde Teotihuacán erforscht?

Die erste Erkundung eines Bauwerks fällt ins Jahr 1675: Der Gelehrte Carlos de Sigüenza y Góngora untersuchte ein Gebäude mit quadratischem Grundriss am Fuß der Treppe der Mondpyramide. In den 1880er-Jahren und 1905 grub Leopoldo Batres. Von 1962 bis 1964 führte das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) drei Projekte zu Erforschung, Ausgrabung und Erhaltung durch, die bis dahin größten in der Geschichte der mexikanischen Archäologie. Es folgten Projekte in den Jahren 1980 bis 1982 und 1992 bis 1994. Die interdisziplinäre Arbeit geht weiter, zum Beispiel an der Struktur A auf dem Platz der Mondpyramide.

Seit 1962 koordiniert das INAH die archäologische Forschung. Rechtlich ruht der Schutz auf dem Bundesgesetz über Denkmäler und archäologische, künstlerische und historische Zonen von 1972, das archäologische Güter zum öffentlichen Eigentum erklärt. Ein Dekret von 1988 legte Schutzzonen mit mehr als 3.381 Hektar fest.

Welche Museen gehören zur Stätte?

Auf dem Gelände zeigen mehrere Einrichtungen die Funde. Das Museum der Teotihuacán-Kultur stellt Fundstücke aus, darunter Nachbildungen der Opfergaben aus dem Tempel der Gefiederten Schlange. Das Museum der Wandbilder von Teotihuacán trägt den Namen Beatriz de la Fuente, zeigt unter anderem die Wandbilder des Tempels der Landwirtschaft und hat einen angrenzenden botanischen Garten. Das ehemalige Museum beherbergt eine Halle für Wechselausstellungen, und ein Skulpturengarten zeigt archäologische Stücke. Das erste Museum der Stätte gründete Batres.

Der Besuch lässt sich in zwei Teile gliedern: die Hauptachse mit den Pyramiden und der Ciudadela sowie die Wohnviertel und Museen. Die Zeiten und die Eintrittsregeln legt das INAH fest. Prüfen Sie sie vor der Reise auf der Seite des Instituts.

Woher kommt der Name Teotihuacán?

Er stammt aus dem Nahuatl und bedeutet sinngemäß „Ort der Götter“. Gruppen, die im 13. Jahrhundert aus dem Norden kamen, fanden die Stadt verlassen vor und gaben ihr diesen Namen.

Wer baute die Stadt?

Dorfbewohner aus dem Süden der fünf Seen im Becken von Mexiko gründeten rund drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung die Gemeinschaft, aus der die Stadt wuchs. Ihr eigener Name für die Stadt ist unbekannt.

Gehört Teotihuacán zur Kultur der Maya?

Nein. Die Stadt liegt im Hochland von Zentralmexiko, unterhielt aber Beziehungen bis ins Maya-Gebiet, etwa nach Tikal und Kaminaljuyú.

Was bedeutet Talud-Tablero?

Es ist die typische Bauweise der Stadt: Eine schräge Böschung (Talud) trägt eine senkrechte, oft bemalte Rahmenwand (Tablero).

Wer lebte im Zapotekenviertel?

Menschen aus dem Gebiet des heutigen Oaxaca. Das Viertel heißt auch Tlailotlacan und zeugt von der Verbindung zu Monte Albán.

Welche Museen gibt es auf dem Gelände?

Das Museum der Teotihuacán-Kultur und das Museum der Wandbilder, dazu ein Skulpturengarten und eine Halle für Wechselausstellungen.

Teotihuacán zeigt, was geplantes Bauen im antiken Mexiko hieß: ein Raster, eine Hauptachse, ein umgeleiteter Fluss und eine Gesellschaft, die Menschen aus vielen Regionen aufnahm. Für den weiteren Weg lohnen sich die Maya-Stätten auf Yucatán und der Überblick zu Mexiko.

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