Der Nahanni-Nationalpark in den Nordwest-Territorien (offiziell ein Nationalparkreservat) umfasst 30.050 Quadratkilometer Bergland an Kanadas South Nahanni River. Die Virginia Falls stürzen etwa doppelt so tief wie die Niagarafälle, der Fluss durchquert vier tiefe Canyons, und heiße Quellen formen die größten Kalktuff-Hügel des Landes. Das Gebiet wurde 1978 Welterbe und ist Heimat der Dene.
Was sollten Sie über den Nahanni-Nationalpark wissen?
Wie verläuft der South Nahanni River?
Wie entstanden Falls und Canyons?
Was macht die heißen Quellen und Tuffhügel aus?
Welche Stromschnellen und Etappen gibt es?
Welche Tiere und Pflanzen leben hier?
Welche Geschichte haben die Dene im Tal?
Wie planen Sie die Reise?
Häufige Fragen
Der Nahanni-Nationalpark gehört zu den wildesten Landschaften Kanadas. Besucher erleben ihn auf dem Fluss, bei einem Rundflug oder zu Fuß in den Bergen. Hier begegnet man einem Tal, das Wasserfälle, Schluchten, Karst, heiße Quellen, Granitzacken und alpine Tundra auf engem Raum vereint. Die Dehcho First Nations nennen das Land Nahʔą Dehé.
Diese Seite erklärt, wie der Park entstand und wer ihn verwaltet, wie die Gesteine und die Canyons des Flusses geformt wurden, was die Virginia Falls und die Tuffhügel ausmacht, welche Tiere und Pflanzen hier leben und welche Geschichte die Dene mit dem Land verbindet. Die Einreise erfolgt wie bei allen Zielen in Kanada mit der eTA für Kanada.
Was sollten Sie über den Nahanni-Nationalpark wissen?
Der Park liegt im Südwesten der Nordwest-Territorien in der Region Dehcho. Er ist ein Reservat, weil offene Landansprüche der indigenen Völker der Region noch geklärt werden müssen. Verwaltet wird er gemeinsam von den Dehcho First Nations und Parks Canada im Nahʔą Dehé Consensus Team. Verwaltungsbüros bestehen in Fort Simpson und in Nahanni Butte.
| Thema | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Fläche | 30.050 km² | etwa so groß wie Belgien |
| Welterbe | seit 1978 | eine der ersten Stätten weltweit |
| Heritage River | seit 1987 | South Nahanni River im Park |
| Höhenlage | 180 bis 2.640 m | Ragged Range ist der höchste Bereich der Nordwest-Territorien |
| Höhe der Virginia Falls | etwa doppelt so hoch wie die Niagarafälle | durch einen Felsblock geteilt |
| Säugetiere | 42 Arten | dazu 180 Vogelarten |
| Pflanzen | über 700 Gefäßpflanzenarten | reichste Flora der kontinentalen Nordwest-Territorien |
Übernachtungen im Gebiet setzen eine Reservierung bei Parks Canada voraus. Drohnen sind im Park verboten.
Wie verläuft der South Nahanni River?
Der South Nahanni River (Nahʔą Dehé) entspringt als kleiner, klarer, mit Felsbrocken übersäter Bach in den Mackenzie Mountains im Nááts’įhch’oh National Park Reserve in der Sahtu-Region. Von dort fließt er nach Südosten und mündet bei Nahanni Butte in den Liard River. Auf dem Weg wird er trüb von mitgeführtem Schlamm. Die Strecke im Park wurde 1987 zum Canadian Heritage River erklärt.
Der Fluss führt im Juni am meisten Wasser, wenn die Schneeschmelze aus den Bergen abfließt. Von Juli bis September sind Sturzfluten bei hohem Wasserstand oder starkem Regen möglich. Im Herbst und Winter fallen die Pegel stark, weil die Flüsse gefrieren.
Der größte Nebenfluss ist der Flat River (Tu Naka Dé), etwa 200 Kilometer lang und der zweitgrößte Fluss des Parks. Er mündet südlich der Virginia Falls in den South Nahanni und ist um 60 Prozent steiler, mit einem durchschnittlichen Gefälle von 2,28 Metern pro Kilometer. Der zweitgrößte Nebenfluss ist der Rabbitkettle River (Gahnįhthah Dehé).
Seen sind selten. Die größeren liegen zwischen 61 und 345 Hektar, darunter Glacier, Island, Rabbitkettle, Seaplane und Chitu. Alle anderen sind kleiner als 25 Hektar. In den flachen Seen leben Arktische Äschen und Hechte. Am Chitu Lake brütet eine kleine Gruppe Trompeterschwäne, am Rabbitkettle Lake leben vier Seetaucherarten und Rothalstaucher.

Wie entstanden Falls und Canyons?
Die Berge sind vor etwa 200 Millionen Jahren aufgefaltet worden. Zuvor lagerten sich im Paläozoikum, vor 200 bis 500 Millionen Jahren, bis zu 6.000 Meter dicke Sedimentschichten ab. Kalkstein und Dolomit prägen das Tal. Das Magma drang vor rund 110 Millionen Jahren bis in etwa 3.000 Meter Tiefe unter die Oberfläche vor und erstarrte dort. Später legte die Erosion den Granit der Ragged Range frei, deren Gipfel die höchsten der Nordwest-Territorien sind. Das Gelände steigt von 180 Metern am Ostrand auf 2.640 Meter am höchsten Gipfel der Ragged Range.
Die Vereisung begann vor zwei bis acht Millionen Jahren, die letzte Eiszeit endete vor rund 10.000 Jahren und erreichte nur den äußersten Osten und Westen des Parks. Deshalb blieben weite Teile unvergletschert.
Die Virginia Falls (Náįlįcho) stürzen über eine Kante, die ein Felsblock in der Mitte teilt. Sie fallen etwa doppelt so tief wie die Niagarafälle. Ihre Erosion schuf den Fourth Canyon, den ersten von vier tiefen Canyons unterhalb der Fälle. Der Third Canyon ist etwa 40 Kilometer lang und enthält The Gate, eine Kalksteinwand von rund 460 Metern Höhe. Der Second Canyon ist etwa 15 Kilometer lang. Der First Canyon hat die höchsten und eindrucksvollsten senkrechten Wände im Park, hier schnitt der Fluss durch festen Kalkstein.

Was macht die heißen Quellen und Tuffhügel aus?
Am Rabbitkettle liegt der größte Kalktuff-Hügel Kanadas. Tuff entsteht, wenn Quellwasser Kalziumkarbonat ausfällt. Der North Mound ist etwa 30 Meter hoch und rund 60 Meter breit. Die Quelle bleibt das ganze Jahr bei etwa 20 Grad Celsius.
Auch die Kraus Hotsprings enthalten Mineralien, doch der hohe Schwefelwasserstoffgehalt verhindert dort die Bildung von Tuff. Heiße und kalte Mineralquellen schaffen besondere Lebensräume und tragen zur Vielfalt der Flora bei.
Welche Stromschnellen und Etappen gibt es?
Eine beliebte Tour beginnt am Rabbitkettle Lake (Gahnįhthah Mįe). Wer länger unterwegs sein will, startet am Island Lake oder an den Moose Ponds, dem Quellgebiet des South Nahanni im Nááts’įhch’oh National Park Reserve. Vor den Stromschnellen bei Náįlįcho müssen Paddler ihre Boote umtragen.
Entlang des Flusses folgen Stromschnellen der Klassen II und III, je nach Wasserstand: Canyon Rapids, Figure Eight Rapid bei Hell’s Gate, Wrigley Whirlpool, George’s Riffle und Lafferty’s Riffle. Kurze Tageswanderungen, Lagerfeuerprogramme und geführte Spaziergänge mit Rangern gibt es bei Náįlįcho und Gahnįhthah Mįe. Die Paddelsaison reicht von Juni bis September.
Wer lieber wandert, findet in der Ragged Range Täler und Gebirgspässe. Der Cirque of the Unclimbables bildet eine Gruppe von Granitzacken, die aus einer alpinen Wiese aufragen.
Welche Tiere und Pflanzen leben hier?
Im Park sind 42 Säugetierarten nachgewiesen. Schwarzbären und Grizzlys kommen häufig vor, und die Umgebung des Rabbitkettle Lake ist ein wichtiger Bärenlebensraum. Wölfe leben in den Flusstälern, ihre Hauptbeute sind Elche und Karibus. Der Elch ist der häufigste und am weitesten verbreitete Huftierart. Kleine Gruppen Bergziegen leben in einigen Hochlagen, Dallschafe sind häufig zu sehen. Ein kleiner Anteil der Waldkaribus bleibt das ganze Jahr, vor allem im Winter. Maultierhirsche und auch Weißwedelhirsche trifft man im Osten. Mineralleckstellen sind für fast alle Huftiere eine wichtige jahreszeitliche Ressource.
Dokumentiert sind 180 Vogelarten, 21 Prozent bleiben im Norden. Am Fluss sieht man Sperber, Turmfalken, Weißkopfseeadler und Steinadler, gelegentlich Wanderfalken und Gerfalken. Reptilien gibt es keine, Amphibien nur wenige: Der Waldfrosch hat das nördlichste Verbreitungsgebiet aller Amphibien. Im Einzugsgebiet des South Nahanni sind 16 Fischarten verzeichnet. Die Arktische Äsche ist am häufigsten, Seeforellen leben im ganzen Park und reagieren wegen ihres langsamen Wachstums empfindlich auf Überfischung, die Dolly Varden lebt im Fluss und in vielen Nebengewässern.
Rund 230 Pflanzengattungen und über 700 Gefäßpflanzenarten sind belegt, mehr als in jedem anderen Gebiet vergleichbarer Größe in den kontinentalen Nordwest-Territorien. Gründe sind feuchte kalkige Böden, der Sprühnebel der Wasserfälle, heiße und kalte Quellen, unvergletschertes Gelände, Dauerfrostboden und die große Länge des Parks mit unterschiedlichen Klimazonen. Meist ist es borealer Wald, der von nassen Tieflagen bis zur alpinen Tundra reicht. Weißfichte und Zitterpappel bestimmen die Talböden, Kiefern- und Fichtenmischwälder die Hang- und Höhenstufen. Die Drehkiefer erreicht im Westen ihre Nordgrenze. Auf dem Tlogotsho-Plateau liegen zwei große Flächen alpiner Tundra. Die Nahanni-Aster (Aster nahanniensis) ist nur hier bekannt.
Welche Geschichte haben die Dene im Tal?
Die Dene und ihre Vorfahren nutzen das Land seit bis zu 10.000 Jahren. Vor dem Kontakt mit Europäern zogen sie durch die Deh-Cho-Region und lebten von Jagd, Fischfang und Fallenstellen. Die Dehcho First Nations verwalten den Park gemeinsam mit Parks Canada.
Mündliche Überlieferungen erzählen von den Naha, einem Bergvolk, das Siedlungen im Tiefland überfiel. Dene-Späher fanden später eine Siedlung der Naha, die durch den Horseshoe Canyon bei Tło Dehé (Prairie Creek) zu erreichen war, doch sie war leer.
Im 19. Jahrhundert ließen sich viele Familien nahe Handelsposten nieder, und die Fallenjagd wurde zur Grundlage des Lebens. Dauerhafte Siedlungen entstanden in Nahanni Butte, Fort Liard, Fort Simpson, Wrigley und Fort Norman. Im späten 19. Jahrhundert fuhren die Bergdene jedes Frühjahr den Nahanni hinunter, in Elchhaut-Booten von bis zu 20 Metern Länge, um die Pelze des Winters zu tauschen.
Wie planen Sie die Reise?
Die Verwaltung sitzt in Fort Simpson, ein zweites Büro besteht in Nahanni Butte. Die Büros liefern Auskünfte zu Flussfahrten, zur Anreise und zu den Regeln. Die Tour auf dem Fluss, ein Rundflug über die Fälle und ein alpines Erlebnis in den Bergen sind die Hauptangebote des Parks.
Wer weiter durch den Norden reisen will, findet im Kluane-Nationalpark eine alpine Landschaft mit Gletschern, in Yukon und Nordlichter weitere Ziele im Norden. Die passende Jahreszeit hilft die Übersicht zur besten Reisezeit für Nordamerika zu finden.
Wo liegt der Nahanni-Nationalpark?
Im Südwesten der Nordwest-Territorien in der Region Dehcho, mit Verwaltungsbüros in Fort Simpson und Nahanni Butte.
Wie groß ist der Park?
Er umfasst 30.050 Quadratkilometer, etwa so viel wie Belgien.
Seit wann ist der Park Welterbe?
Seit 1978. Der South Nahanni River ist außerdem seit 1987 ein Canadian Heritage River.
Wie hoch sind die Virginia Falls?
Sie fallen etwa doppelt so tief wie die Niagarafälle und werden von einem Felsblock in der Mitte geteilt.
Wie viele Canyons gibt es?
Vier tiefe Canyons unterhalb der Fälle. Der Third Canyon ist rund 40 Kilometer lang und enthält The Gate mit einer Kalksteinwand von etwa 460 Metern.
Warum ist der Park ein Reservat?
Er bleibt ein Reservat, bis offene Landansprüche der indigenen Völker der Region geklärt sind.
Der Nahanni-Nationalpark vereint Wasserfälle, Canyons, Tuffhügel und Granitzacken mit einer außergewöhnlich reichen Pflanzenwelt. Wer den Norden Kanadas auf dem Fluss erleben will, findet hier eines der großartigsten Wildnisziele des Kontinents.
Passend dazu: Auyuittuq-Nationalpark.
