Der Elk-Island-Nationalpark liegt rund 48 Kilometer östlich von Edmonton in Alberta und ist Kanadas einziger vollständig eingezäunter Nationalpark. Seit 1906 schützt er Wapiti, Elche und vor allem Bisons: Die Herden hier haben maßgeblich zur Rettung der Art beigetragen. Wälder, Grasland und Seen bilden eine Insel der Wildnis inmitten von Landwirtschaft und Industrie.
Was sollten Sie über den Elk-Island-Nationalpark wissen?
Wie entstanden die Hügel und Seen der Beaver Hills?
Warum spielen die Bisons des Parks eine so große Rolle?
Welche Tiere leben im Elk-Island-Nationalpark?
Welche Rolle spielt Feuer im Park?
Wie wurde aus dem Elchschutzgebiet ein Nationalpark?
Welche historischen Gebäude blieben erhalten?
Wie planen Sie Ihren Besuch im Elk-Island-Nationalpark?
Häufige Fragen
Der Elk-Island-Nationalpark gehört zu den überraschendsten Zielen Kanadas. Er liegt nicht in den Rocky Mountains, sondern in der hügeligen Parklandschaft östlich von Edmonton, und er wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch kaum ein Park im Land hat eine so dichte Geschichte rund um den Schutz von Wildtieren.
Diese Seite erklärt, wie der Park entstand, warum die Hügel so geformt sind, welche Tiere hier leben, welche Rolle die Bisons für die Plains Cree und für den Artenschutz spielten, welche historischen Gebäude erhalten blieben und wie Sie den Besuch planen.
Was sollten Sie über den Elk-Island-Nationalpark wissen?
Der Park liegt in den Beaver Hills, auf Cree Amiskwaciy genannt, und ist ein UNESCO-Biosphärenreservat. Er befindet sich im Gebiet des Vertrags Nr. 6 und in der Heimat der Métis. Menschen nutzten das Land hier als Nahrungsquelle, für Zeremonien, für den Handel und als Reiseweg.
| Thema | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Lage | Alberta, rund 48 km östlich von Edmonton | Beaver Hills, Amiskwaciy |
| Gründung | 1906 | als Elchschutzgebiet auf 42 km², Nationalpark seit 1930 |
| Zaun | rund 2,2 m hoch | der einzige vollständig eingezäunte Nationalpark Kanadas |
| Wanderwege | über 80 km | durch Wald, Grasland und an Seen |
| Säugetiere | über 42 Arten | darunter Plains- und Waldbison, Wapiti, Elch |
| Vogelarten | über 250 | Waldvögel, Wasservögel, Greifvögel |
| Amphibien, Reptilien, Fische | 5, 1 und 2 Arten | Frösche, eine Schlangenart, zwei Fischarten |
| Biosphärenreservat | 2016 | UNESCO, einschließlich der Beaver Hills |
Der Park gehört zur Naturregion der südlichen borealen Ebenen und Plateaus. Menschliche Eingriffe vor der Parkgründung haben die Ökosysteme stark verändert. Heute betreibt Parks Canada aktives Management, weil der Park eine Insel ist: Die Tiere können nicht abwandern, und Bisons, Wapitis und Elche müssen in Zahl und Verteilung gesteuert werden. Die Anreise erfolgt meist von Edmonton aus; Hinweise zur Einreise finden Sie unter eTA für Kanada.
Wie entstanden die Hügel und Seen der Beaver Hills?
Gletscher formten große Teile Albertas und zogen sich vor mehr als 10.000 Jahren zurück. Die Beaver Hills sind eine Moräne, die dort entstand, wo drei Gletscher zusammenkamen und abschmolzen. Die Landschaft zeigt eine sogenannte Kuppen-und-Kessel-Topografie (Knob and Kettle), ein Wechsel aus Hügeln und Senken aus Gletscherschutt.
Eis, das unter dem Schutt begraben blieb, schuf viele der Seen, Feuchtgebiete und Teiche des Parks. Heute teilen sich drei Lebensräume die Fläche: Wald, Grasland und Süßwasser. Große Graslandflächen liegen vor allem rund um den Bison Loop, ein großer Teil des Parks ist Wald.
Im Wald leben Elche, Wapitis, Hirsche und viele Vogelarten. Espendickichte umgaben die Prärie und boten den Bisons im Winter Futter und Schutz. Das Grasland profitiert von den Bisons: Durch Grasen, Zertrampeln, Suhlen und Dung erhöhen sie die Vielfalt von Pflanzen und Tieren.

Warum spielen die Bisons des Parks eine so große Rolle?
Einst lebten Millionen Bisons auf den Great Plains. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Plains Cree feste Jagdroutinen auf den kanadischen Prärien. Sie jagten in großen Gruppen, zu Pferd und mit kreisförmigen Gehegen, sogenannten Buffalo Pounds. Der Bison lieferte das ganze Jahr über Nahrung, Felle für Unterkünfte und Kleidung, Hörner und Knochen für Werkzeuge. Die kommerzielle Jagd in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerstörte die Herden: Bis 1890 sank die Zahl von etwa 30 Millionen auf weniger als 1.000 Tiere.
In den Beaver Hills war der Bison schon früh verschwunden. 1841 gab es noch viele Tiere, doch bis Ende der 1860er Jahre waren sie fast ausgerottet, auch andere große Pflanzenfresser waren selten. 1907 kaufte die Regierung eine Herde, und mehrere hundert Bisons der Pablo-Allard-Herde aus Montana wurden in den Park gebracht. 1909 blieben etwa 40 Tiere, von denen die heutige Herde abstammt. Die letzte Lieferung der Pablo-Allard-Herde kam 1912 mit dem Zug.
Zwischen 1942 und 1946 testete und verlegte Superintendent B. I. Love krankheitsfreie Bisons. Beim ersten Zusammentreiben wurden 12.000 Plains-Bisons auf Tuberkulose geprüft. 1965 kam eine isolierte Herde von Waldbisons dazu, um deren Erbgut zu sichern. 1972 erklärte man die Herden für frei von Krankheiten und Rindergenen. 1988 stufte man den Waldbison von „selten“ auf „gefährdet“ herab. 1943 erinnerte die Historic Sites and Monuments Board of Canada mit einer Tafel an die Rettung des Plains-Bisons.
Von hier aus gingen Tiere in viele Schutzprojekte. 2016 wurden 87 Plains-Bisonkälber im Rahmen des Büffelvertrags an die Blackfeet Nation in Montana gegeben. 2017 kamen 16 Plains-Bisons in das Panther Valley im Banff-Nationalpark, die ersten wild lebenden Bisons dort seit mehr als einem Jahrhundert. Das erste Kalb dieser Herde kam am 22. April 2018 zur Welt, im Juli folgte die Freilassung. Im gleichen Jahr gingen 25 Waldbisons an die Saulteaux First Nation in Saskatchewan, 2019 folgten 31 Plains-Bisons an die Flying Dust First Nation. Überschüssige Tiere gehen auch an Erste Nationen im Vertragsgebiet Nr. 6 für kulturelle Zwecke oder an Tafeln.
Welche Tiere leben im Elk-Island-Nationalpark?
Mehr als 42 Säugetierarten sind nachgewiesen. Parks Canada steuert Plains-Bison, Waldbison, Wapiti und Elch aktiv. Weißwedelhirsche, Maultierhirsche und viele kleinere Arten ergänzen das Bild. Über 250 Vogelarten sind beobachtet worden, unter ihnen die Gelbbürzel-Waldsänger im Wald. Die Trompeterschwäne wurden 1987 durch ein Umsiedlungsprogramm wieder eingeführt.
Die Biber haben eine besondere Geschichte. Sie waren bis in die 1830er Jahre aus den Beaver Hills praktisch verschwunden, obwohl die Hügel um 1800 reich an Bibern waren. 1942 wurden sie wieder angesiedelt, es gibt bis zu 350 aktive Biberburgen. Ihre Aktivität hilft Feuchtgebieten, weil sie tiefe Stellen fluten und in Dürrezeiten den Wasserstand halten. Frösche und andere Amphibien dienen als Frühwarner für Veränderungen in den Feuchtgebieten, ihre Rufe in der Dämmerung werden für die Beobachtung genutzt.
Der Zustand des Parks wird auf mehreren Wegen überwacht, etwa durch Zählungen aus dem Hubschrauber, Satellitendaten und das Abhören von Froschrufen in der Dämmerung. Fünf Indikatoren beobachten den Wald: die Vielfalt der Vögel, die Pflanzenproduktion, Luftaufnahmen der Vegetation, Zählungen der Huftiere und die verbrannte Waldfläche. Für das Grasland zählen die Gesundheit des Weidelands, die Zahl der Huftiere, die Pflanzenproduktion, die verbrannte Grasfläche und die Ausdehnung des Graslands.

Welche Rolle spielt Feuer im Park?
Feuer erneuert Wälder und Grasland. Es öffnet das Kronendach, lässt mehr Licht auf den Waldboden fallen, fördert neues Wachstum und führt dem Boden Nährstoffe zu. Auf dem Grasland verhindert es, dass der Wald in die Wiesen vordringt. Ein verheerendes Feuer traf das Gebiet 1895, 1899 wurde die Fläche zum Cooking Lake Forest Reserve.
Seit 2018 stellt der Park Grasland mit kontrolliertem Feuer wieder her. Die Flächen sind benannt: Das Shirley Lake Prescribed Fire im Nordwesten des Parks umfasst 928 Hektar, das Hayburger Prescribed Fire 428 Hektar. Es liegt innerhalb der Wanderschleife des Hayburger Trails nördlich des Bison Loop. Einzelne Brenneinheiten haben bis zu 50 Hektar. Kontrollierte Feuer laufen nur unter vorher festgelegten Wetter- und Geländebedingungen, Sicherheit hat Vorrang.
Der Park verfolgt vier Hauptaufgaben: Wildtiermanagement, Vegetationsmanagement, Feuermanagement und die Wiederherstellung gestörter Flächen. Nach Bauarbeiten werden heimische Pflanzengemeinschaften zurückgebracht. Das Ziel ist, die Natur so wenig wie möglich zu stören und doch dort einzugreifen, wo das Ökosystem verändert ist.
Wie wurde aus dem Elchschutzgebiet ein Nationalpark?
Die Gründung fällt in den Juli 1906. Das Gebiet hieß zunächst Elk Park und diente als Elchschutzgebiet auf 42 Quadratkilometern (16 Quadratmeilen). Zu Beginn lebten hier 24 Wapitis, zwei bis drei Elche und 35 Maultierhirsche, ein 2,2 Meter hoher Zaun umgab die Fläche. Es war das erste Wildtierrefugium Kanadas. 1908 wurde der Name zu Elk Island Park, 1913 folgte die Einstufung als Dominion Park, und 1930 erklärte man ihn zum Nationalpark.
Mehrere Erweiterungen folgten. 1922 kam das Gebiet bis zum Highway 16 hinzu, um Überweidung zu verringern. 1947 wuchs der Park um 60 Quadratkilometer südlich des Highway 16, die heute als Wood Bison Area dienen. In den 1930er Jahren bauten arbeitslose Männer in Arbeitslagern der Weltwirtschaftskrise Straßen, den Grenzzaun und Gebäude. 1936 entstand der Golfplatz, einer der ältesten Albertas. 2006 feierte der Park sein 100-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr wurde das Beaver Hills Dark Sky Preserve ausgewiesen. 2016 erhielten die Beaver Hills samt Park den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats.
Auch Siedler gehörten zur Geschichte. 1881 und 1882 kamen deutsche, englische und ukrainische Siedler in die Gegend. Die Beaver Hills waren zu hügelig und feucht für Ackerbau, viele Höfe wurden vor allem zu Spekulationszwecken angemeldet. Zu den Familien im späteren Parkgebiet zählten Hayburger, Reid, Moss und Oster. 1909 verkauften die meisten ihr Land an die Regierung, nur die Osters blieben. Carl H. Oster rodete 40 Acres und lebte bis 1941 im Park. Dafür gab er seinen Landtitel auf und arbeitete als Torwächter des Parks. Der Siedler Daniel Jordan erhielt 1909 beim Verlassen des Parks 900 Dollar, ein See auf seinem früheren Hof trägt seinen Namen.

Welche historischen Gebäude blieben erhalten?
Vier Gebäude stehen unter dem Schutz des Federal Heritage Buildings Review Office. Das Haus des Superintendenten wurde 1907 gebaut und ist das älteste erhaltene Gebäude im Park. Es diente bis 1937 als Wohnhaus und Verwaltung. Es ist nicht im rustikalen Stil gebaut, der für frühe Nationalparkgebäude typisch ist.
Der Pavillon aus den 1930er Jahren ist ein Projekt der Weltwirtschaftskrise. Er ist der älteste Picknickunterstand mit Kamin im gesamten Nationalparksystem. Die Scheune entstand im selben Jahrzehnt. Ihre Pferde trieben Bisons und Wapitis zusammen, statt Gepäck zu tragen, was im Parksystem ungewöhnlich war.
Das Ukrainian Pioneer Home wurde 1951 rekonstruiert und gebaut. Es war der erste eigens errichtete Bau im Land, der an die Ukrainer in Kanada erinnert, und ist das älteste eigens gebaute ukrainische Museum Kanadas. Die Premierminister Louis St. Laurent und Lester Pearson nahmen an Veranstaltungen dort teil. Das Wahkotowin Visitor Information Centre wurde im Mai 2019 eröffnet. Frauen des Edmonton Institution for Women fertigten gemeinsam mit Correctional Service Canada eine Star Blanket aus Bisonfell für die Ausstellung.
Wie planen Sie Ihren Besuch im Elk-Island-Nationalpark?
Der Park liegt rund 48 Kilometer östlich der Innenstadt von Edmonton und ist in rund 35 Minuten Fahrt von der Stadt aus erreichbar. Er eignet sich als Zwischenstopp, bevor Sie in die Rocky Mountains weiterfahren, etwa zum Banff-Nationalpark oder zum Jasper-Nationalpark. Eine Übersicht über die Berge finden Sie unter Westkanada und Rockies.
Über 80 Kilometer Wanderwege führen durch Wald und Grasland. Das Grasland rund um den Bison Loop ist der beste Ort, Bisons zu sehen. Der Hayburger-Rundweg schließt eines der Brandgebiete ein. Planen Sie einen halben bis ganzen Tag ein. Der Park ist ein Dark Sky Preserve. Das Wetter in Alberta wechselt schnell, mehr zur Wahl der Jahreszeit steht unter beste Reisezeit für Nordamerika.
Wildtiere haben Vorrang, ein Besuch lohnt sich besonders für alle, die Bisons in ihrem natürlichen Lebensraum erleben möchten. Beachten Sie die Sicherheitsregeln zu Bisons und anderen Tieren, halten Sie Abstand und bleiben Sie auf den Wegen.
Wo liegt der Elk-Island-Nationalpark?
In Alberta, rund 48 Kilometer östlich von Edmonton, in den Beaver Hills.
Was ist an dem Park besonders?
Er ist Kanadas einziger vollständig eingezäunter Nationalpark und ein UNESCO-Biosphärenreservat. Seine Bisonherden spielten eine zentrale Rolle bei der Rettung der Art.
Welche Tiere kann ich sehen?
Plains-Bison, Waldbison, Wapiti, Elch, Hirsche und Biber, dazu über 250 Vogelarten. Insgesamt sind über 42 Säugetierarten nachgewiesen.
Seit wann gibt es den Park?
Seit Juli 1906, zunächst als Elchschutzgebiet auf 42 Quadratkilometern. Zum Nationalpark wurde er 1930.
Wie lang sind die Wanderwege?
Zusammen über 80 Kilometer, durch Wald, Grasland und an Seen.
Warum gibt es einen Zaun?
Der Zaun hält die Wildtiere im Park, schon 1906 umgab ihn ein 2,2 Meter hoher Zaun. Der Park ist heute noch vollständig eingezäunt.
Weitere Naturziele in Westkanada sind der Yoho-Nationalpark und der Waterton-Lakes-Nationalpark.
Passend dazu: Prince Albert Nationalpark, Wood-Buffalo-Nationalpark, Grasslands-Nationalpark.
