Entdeckung und Kolonialzeit Nordamerikas
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Entdeckung und Kolonialzeit Nordamerikas

Die Kolonialzeit Nordamerikas begann für Europa mit Kolumbus 1492, doch Wikinger waren schon um das Jahr 1000 in Neufundland. Spanien eroberte zuerst die Karibik und ab 1519 Mexiko, Frankreich gründete 1608 Québec, England 1607 Jamestown. Für die indigenen Völker und Millionen verschleppter Afrikaner bedeutete diese Epoche Epidemien, Landraub und Sklaverei.

„Entdeckung“ ist ein europäischer Blickwinkel: Als die ersten Schiffe ankamen, lebten auf dem Kontinent längst Hunderte Völker mit eigenen Sprachen, Städten und Handelsnetzen. Spanier, Franzosen, Engländer und Niederländer teilten Land unter sich auf, das ihnen nicht gehörte, und bauten Plantagenwirtschaften auf der Arbeit versklavter Menschen. Dieser Beitrag ordnet die Epoche aus heutiger Forschungsperspektive ein und zeigt Orte, an denen Sie die Geschichte auf Reisen nachvollziehen können. Den Überblick über alle Epochen bietet unser Hub Geschichte & Kultur Nordamerikas.

Welche Ereignisse prägten die Kolonialzeit?

Die wichtigsten Wegmarken reichen von der Wikingersiedlung in Neufundland bis zur Gründung Kanadas.

JahrEreignis
um 1000 / 1021Wikinger in L’Anse aux Meadows, Neufundland
1492Kolumbus landet am 12. Oktober auf Guanahani (Bahamas)
1519–1521Cortés landet in Mexiko; Tenochtitlan fällt am 13. August 1521
1565Spanien gründet St. Augustine in Florida
1607 / 1608Jamestown (England) und Québec (Frankreich)
1619Erste dokumentierte versklavte Afrikaner in Virginia
1763Frieden von Paris: Frankreich tritt Neufrankreich an Großbritannien ab
1776 / 1804 / 1821 / 1867Unabhängigkeit der USA, Haitis und Mexikos; Gründung Kanadas

Waren die Wikinger vor Kolumbus in Nordamerika?

Ja. Nordische Seefahrer aus Grönland erreichten um das Jahr 1000 Nordamerika. Den Beweis liefert L’Anse aux Meadows an der Nordspitze Neufundlands: 1960 führte ein Einheimischer den Norweger Helge Ingstad zu Hügeln, unter denen Archäologen acht Gebäude freilegten. Eine Baumring-Studie von 2021 datiert Holzbearbeitung mit Metallwerkzeugen auf das Jahr 1021. Seit 1978 ist die Stätte UNESCO-Welterbe. Die Siedlung blieb eine kurze Episode ohne dauerhafte Folgen.

Was veränderte die Landung von Kolumbus 1492?

Sie leitete die dauerhafte europäische Kolonisierung beider Amerikas ein. Am 12. Oktober 1492 landete Kolumbus auf einer Insel der Bahamas, die ihre Bewohner Guanahani nannten. Er traf auf Taíno und notierte gleich, sie würden „gute Diener“ abgeben. Auf Hispaniola entstand mit Santo Domingo die älteste dauerhaft bewohnte europäische Stadt der Amerikas; ihre Altstadt ist seit 1990 UNESCO-Welterbe.

Für die Taíno folgten Zwangsarbeit im Encomienda-System, Gewalt und Seuchen. Seuchen allein erklären den Zusammenbruch nicht, betont der Historiker Andrés Reséndez. Lange galten die Taíno als „ausgestorben“. Die heutige Forschung widerspricht: Viele Menschen in Puerto Rico, Kuba und der Dominikanischen Republik haben indigene Vorfahren, und Gemeinschaften bekennen sich wieder zu ihrer Taíno-Identität.

Wie eroberte Spanien Mexiko und den Süden Nordamerikas?

Mit Gewalt, indigenen Verbündeten und Krankheitserregern. Hernán Cortés landete im April 1519 an der Golfküste. Entscheidend war das Bündnis mit Tlaxcala und anderen Gegnern der Mexica (Azteken): Bei der Belagerung von Tenochtitlan kämpften Zehntausende indigene Krieger auf spanischer Seite. Ende 1520 wütete eine Pockenepidemie, die in der Region binnen eines Jahres schätzungsweise 40 Prozent der Bevölkerung tötete. Am 13. August 1521 fiel die Stadt. Wie die Mexica und ihre Nachbarn vorher lebten, zeigt der Beitrag über die präkolumbischen Kulturen.

Auf den Ruinen entstand Mexiko-Stadt, ab 1535 Hauptstadt des Vizekönigreichs Neuspanien, das von Mittelamerika und der Karibik bis nach Kalifornien und Florida reichte. In San Juan begann 1539 der Bau der Festung El Morro. In Florida gründete Pedro Menéndez de Avilés am 8. September 1565 St. Augustine im Land der Timucua – die älteste durchgehend bewohnte europäische Siedlung der heutigen Kontinental-USA. Nördlich davon entstand 1738 Fort Mose, gegründet von Menschen, die aus der Sklaverei in den englischen Kolonien geflohen waren – die erste rechtlich anerkannte freie Schwarze Siedlung der heutigen USA.

Wie entstand Neufrankreich?

Frankreich setzte auf Pelzhandel und Bündnisse statt Massenbesiedlung. Nach den Erkundungsfahrten von Jacques Cartier ab 1534 gründete Samuel de Champlain am 3. Juli 1608 Québec. Er verbündete sich mit Innu, Algonquin und Wendat gegen die Haudenosaunee (früher „Irokesen“ genannt). Neufrankreich blieb dünn besiedelt: Der letzte französische Zensus von 1754 zählte im Kernland Canada rund 55.000 Menschen. Im Süden gründete Bienville 1718 New Orleans; der Code noir von 1685 regelte die Sklaverei in den französischen Kolonien.

Den Ausschlag gab der Siebenjährige Krieg. Ab 1755 deportierten die Briten die Akadier aus dem heutigen Nova Scotia: Von schätzungsweise 14.100 Menschen wurden rund 11.500 vertrieben, etwa 5.000 starben an Krankheit, Hunger oder bei Schiffbrüchen. Im Frieden von Paris 1763 trat Frankreich Neufrankreich an Großbritannien ab. Das französische Erbe lebt in Québec weiter.

Wie entstanden die englischen und niederländischen Kolonien?

Als Handelsunternehmen auf indigenem Land. Jamestown wurde am 14. Mai 1607 im Gebiet der Powhatan-Konföderation gegründet; im Hungerwinter 1609/10 überlebten nur 60 Siedler. Erst der Tabakanbau machte die Kolonie profitabel. Die Mayflower erreichte 1620 mit 102 Passagieren Cape Cod. Die Pilger siedelten im verlassenen Dorf Patuxet, wo eine Epidemie 1617–1619 bis zu 90 Prozent der Küstenbevölkerung getötet hatte. Rund die Hälfte der Neuankömmlinge starb im ersten Winter; ohne das Bündnis mit den Wampanoag unter Massasoit hätte Plymouth kaum überlebt.

Die Niederländer gründeten 1624 Nieuw Amsterdam an der Südspitze Manhattans, im Land der Lenape. Den berühmten „Kauf“ Manhattans 1626 für Waren im Wert von 60 Gulden verstanden die indigenen Vertragspartner kaum als endgültigen Verkauf. Bereits 1626 lebten versklavte Afrikaner in der Kolonie. 1664 übernahmen die Engländer die Stadt und tauften sie New York. Mit Georgia kam 1732 die letzte der 13 Kolonien hinzu; 1775 lebten dort rund 2,4 Millionen Menschen.

Welche Rolle spielten Sklavenhandel und Plantagen?

Eine zentrale: Der Reichtum vieler Kolonien beruhte auf Zwangsarbeit. Laut Trans-Atlantic Slave Trade Database wurden zwischen 1525 und 1866 rund 12,5 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner verschleppt, 10,7 Millionen überlebten die Überfahrt. Nur etwa 388.000 gelangten direkt nach Nordamerika, die große Mehrheit in die Karibik und nach Brasilien, wo die Zuckerplantagen Menschen in kurzer Zeit zu Tode arbeiteten. Die Karibik lieferte zeitweise 80 bis 90 Prozent des in Westeuropa verbrauchten Zuckers.

In Virginia kamen Ende August 1619 bei Point Comfort „20 and odd“ Menschen aus Westzentralafrika an Land, verschleppt aus dem Königreich Ndongo im heutigen Angola. Barbados schuf 1661 ein Sklavengesetz, das Jamaika, Carolina und andere Kolonien zum Vorbild nahmen. In den USA wuchs die Zahl versklavter Menschen bis 1860 auf fast vier Millionen.

Was bedeutete die Kolonisierung für indigene Völker?

Einen demografischen Zusammenbruch, Vertreibung und den Verlust des größten Teils ihres Landes. Die Bevölkerungszahl von 1492 ist umstritten: Schätzungen reichen von 8 bis 112 Millionen, für das heutige Gebiet von USA und Kanada meist von 2,5 bis 7 Millionen. Ein Jahrhundert nach Kolumbus waren nach Berechnungen des University College London rund 90 Prozent der indigenen Bevölkerung tot – durch Seuchen, aber auch durch Krieg und Versklavung.

Verträge wurden gebrochen, Land enteignet. Doch die Völker sind nicht verschwunden: Wampanoag, Lenape, Haudenosaunee oder Wendat bestehen bis heute als Nationen mit eigener Regierung. Wie sie heute leben, lesen Sie im Beitrag über die Ureinwohner Nordamerikas.

Wie endete die Kolonialzeit?

Zwischen 1776 und 1867. Die USA erklärten am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit, 1783 von Großbritannien anerkannt – die Sklaverei blieb bestehen. Haiti erkämpfte sie nach einem Aufstand Versklavter von 1791 bis 1804 und wurde am 1. Januar 1804 der erste unabhängige Staat Lateinamerikas. Mexiko löste sich nach elf Jahren Krieg 1821 von Spanien. Kanada entstand ohne Revolution: Am 1. Juli 1867 vereinigten sich Ontario, Québec, Nova Scotia und New Brunswick zum Dominion of Canada.

Wo können Sie die Kolonialgeschichte heute erleben?

In Altstädten, Festungen und auf historischen Rundwegen. Achten Sie darauf, wessen Geschichte erzählt wird: Viele Stätten zeigen vor allem die Sicht der Kolonisten.

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Reisetipp Kombinieren Sie Festungen mit Orten, die andere Perspektiven zeigen: In St. Augustine erinnert der Fort Mose Historic State Park an die freie Schwarze Siedlung, in Washington erzählen Smithsonian-Museen indigene und afroamerikanische Geschichte.
Wer war wirklich der erste Europäer in Amerika?

Nach heutigem Wissen waren es nordische Seefahrer aus Grönland, die um das Jahr 1000 Neufundland erreichten; die Sagas nennen Leif Eriksson. Belegt ist ihre Anwesenheit durch L’Anse aux Meadows. Erst die Fahrten von Kolumbus ab 1492 führten aber zu dauerhaften Kontakten und zur Kolonisierung.

Warum wird der Begriff „Entdeckung“ heute kritisch gesehen?

Weil der Kontinent seit Jahrtausenden bewohnt war und seine Bewohner nicht entdeckt werden mussten. Aus Sicht der indigenen Völker begann 1492 keine Entdeckung, sondern eine Invasion mit Seuchen, Krieg und Landraub. Viele Historiker sprechen deshalb von Kontakt, Begegnung oder Eroberung und nennen die Perspektive ausdrücklich.

Welche Kolonialstadt in Nordamerika ist die älteste?

In den gesamten Amerikas gilt Santo Domingo auf Hispaniola als älteste dauerhaft bewohnte europäische Stadt. Auf dem Gebiet der heutigen Kontinental-USA ist es St. Augustine in Florida, gegründet 1565. Québec, 1608 von Champlain gegründet, gehört zu den ältesten Städten Kanadas; ihre Altstadt ist UNESCO-Welterbe.

Warum spricht man in Québec Französisch und in Mexiko Spanisch?

Die Sprachgrenzen folgen den Kolonialreichen. Spanien beherrschte Mexiko, Mittelamerika und große Teile der Karibik, Frankreich das Sankt-Lorenz-Tal. Auch nach der britischen Übernahme 1763 blieben Sprache, Religion und Recht der Frankokanadier erhalten – die Basis der heutigen Identität Québecs.

Welche Museen erklären die Sklaverei in Nordamerika?

Das National Museum of African American History and Culture in Washington zeigt die Geschichte von der Verschleppung bis zur Bürgerrechtsbewegung. Auch in Barbados, Jamaika und New Orleans gibt es Museen und Gedenkorte. Planen Sie für solche Besuche Zeit ein – viele Ausstellungen sind bewusst eindringlich gestaltet.

Wie die Kolonialzeit Sprachen, Küche und Feste bis heute prägt, zeigt der Hub Geschichte & Kultur. Die Völker, die lange vor 1492 hier lebten, stellt der Beitrag über die indigenen Nationen Nordamerikas vor.