Rund 138.000 Tonnen Sargassum haben Helfer bis Ende September 2026 von den Stränden in Quintana Roo geräumt, so viel wie nie zuvor. Die Zahl wurde am 1. Oktober bekannt, am selben Tag, an dem in Cancún Vertreter aus 45 Ländern auf einer Sargassum-Konferenz von EU und Karibik zusammenkamen. Für Urlauber ist die Lage trotzdem besser, als es klingt: Seit August gehen die Anlandungen deutlich zurück, und für November und Dezember erwarten Fachleute nur noch wenig Seetang.

Was ist passiert, und wie groß ist der Rekord?
Die Zahl von rund 138.000 Tonnen bis zum 30. September 2026 meldete die Tageszeitung Por Esto unter Berufung auf die Landesbehörden. Im gesamten Jahr 2025 waren es 92.782 Tonnen. Damit liegt 2026 schon jetzt etwa die Hälfte über dem bisherigen Rekordjahr, obwohl noch drei Monate fehlen. Óscar Rébora Aguilera, Leiter des Umweltministeriums von Quintana Roo, hält bis zum Jahresende mehr als 150.000 Tonnen für möglich. Das mexikanische Bundesumweltministerium Semarnat nannte auf der Konferenz „mehr als 123.000 Tonnen“. Je nach Stichtag und Zählweise weichen die Angaben also etwas ab, an der Rekordbilanz ändert das nichts.
Ungewöhnlich war auch der Verlauf. Früher begann die Saison meist im Frühjahr und endete im Spätsommer. 2026 kamen die ersten großen Algenteppiche schon im Januar, der Höhepunkt lag im Juni und Juli. Danach ging es deutlich abwärts: Im August räumten die Gemeinden noch 6.684 Tonnen, im September bis zur Monatsmitte nur noch rund 1.700 Tonnen. Auch auf See schrumpften die Teppiche vor der Küste innerhalb von zwei Wochen von gut 46.000 auf rund 10.000 Tonnen. Wie der Seetang Ihren Urlaub an der Riviera Maya grundsätzlich beeinflusst und welche Orte sich als Standort eignen, erklärt unser Badeort-Führer zu Cancún und Playa del Carmen.
Welche Strände waren 2026 am stärksten betroffen?
Die Verteilung zeigt deutlich, wo das Problem liegt. Nach einer Aufstellung der Landesbehörden vom 23. September, die das Fachportal Reportur veröffentlichte, entfiel rund ein Drittel der geräumten Menge auf Playa del Carmen (etwa 45.100 Tonnen). Es folgen Cancún mit rund 32.700 Tonnen sowie Puerto Morelos und Tulum mit jeweils gut 18.000 Tonnen. Im Süden kam die Gemeinde Othón P. Blanco mit Mahahual und Chetumal auf gut 15.000 Tonnen.
Cancún: Ostküste der Hotelzone stark, Nordarm geschützter
In Cancún traf es vor allem die offenen, nach Osten gerichteten Strände der Hotelzone. Genannt werden Playa Delfines, Playa Chac Mool, Playa Marlín und Playa Coral. Der Nordarm der Hotelzone zwischen Stadt und Punta Cancún liegt dagegen im Windschatten und bleibt meist sauberer. Zugleich liegt dort ruhigeres, flacheres Wasser, das sich für Familien eignet.
Isla Mujeres und Cozumel: deutlich weniger Seetang
Wie viel die Lage ausmacht, zeigen die Inseln. Die Gemeinde Isla Mujeres, zu der auch die Festlandküste Costa Mujeres gehört, meldete nur rund 4.100 Tonnen. Auf Cozumel waren es sogar nur etwa 1.450 Tonnen. Mehrere Reiseportale nennen die Playa Norte auf Isla Mujeres und die geschützte Westküste von Cozumel deshalb als die verlässlichsten Badestrände der Region. Beide zeigen nach Westen, also weg vom offenen Meer, aus dem der Seetang angetrieben wird.
Riviera Maya und Costa Maya: offene Küste, hohes Risiko
Tulum, Akumal und Puerto Morelos liegen ungeschützt am offenen Karibischen Meer und gehören seit Jahren zu den am häufigsten betroffenen Abschnitten. Für Ausflüge zu den Maya-Stätten und Cenoten im Hinterland spielt das Sargassum dagegen keine Rolle. Ideen für Touren ins Landesinnere finden Sie im Ratgeber zu Yucatán und der Welt der Maya.
Wie geht es von Oktober bis Dezember weiter?
Die wichtigste Grundlage für die Prognose ist das monatliche Sargassum-Bulletin der University of South Florida (USF). In der Ausgabe vom 30. September 2026 schätzen die Forschenden die Menge im gesamten Algengürtel zwischen Westafrika und dem Golf von Mexiko auf rund sechs Millionen Tonnen. Das ist etwa die Hälfte des Augustwertes, der wiederum nur halb so hoch war wie im Juli. In der westlichen Karibik, also vor der mexikanischen Küste, blieb die Menge im September mit rund 1,7 Millionen Tonnen allerdings unverändert und liegt weiter über dem langjährigen Mittel. Die USF erwartet, dass die Mengen in allen Regionen bis etwa November weiter sinken. Anlandungen in der Karibik und an der Südostküste Floridas soll es weiterhin geben, aber schwächer als im Sommer.
Das Sargassum-Monitoringnetz von Quintana Roo spricht ebenfalls von einem klaren Abwärtstrend. Der Oktober gilt aber noch als Ausläufer der Saison, einzelne Schübe sind je nach Wind und Strömung möglich. Anfang Oktober stand die Sargassum-Ampel der Marine an den meisten Abschnitten auf Gelb, also mäßiger Befall. Für November und Dezember rechnet der Leiter des Netzwerks, Esteban Amaro Mauricio, nur noch mit geringen Anlandungen. Neue Teppiche könnten aber schon im Januar 2027 eintreffen.
Warum die Konferenz in Cancún auch Urlauber betrifft
Auf der vierten EU-Karibik-Konferenz zum Sargassum im Rahmen der EU-Initiative Global Gateway am 1. und 2. Oktober zeichneten die Behörden ein ernstes Bild. Im Atlantik trieben 2025 nach ihren Angaben rund 38 Millionen Tonnen, 2026 etwa 60 Millionen Tonnen. Für 2027 erwarten sie bis zu 80 Millionen Tonnen. Laut Semarnat trieben im Mai 2026 allein in der Karibik rund 35 Millionen Tonnen feuchte Biomasse, etwa viermal so viel wie 2025.
Mexiko will deshalb die Abwehr auf See ausbauen. Ein Programm der Marine über mehr als zwei Milliarden Pesos finanziert Sammelschiffe, Schutzbarrieren und einen Anleger in Puerto Juárez. Daneben entsteht in Puerto Morelos ein Industriegebiet, in dem der Seetang zu Rohstoffen verarbeitet werden soll. Die Teilnehmerstaaten wollen 2026 und 2027 gemeinsam mindestens 660.000 Tonnen einsammeln. Die nächste Konferenz soll in der Dominikanischen Republik stattfinden. Für Urlauber heißt das: Das Sargassum bleibt ein Dauerthema an der mexikanischen Karibikküste, Strände werden aber zunehmend schon auf dem Meer geschützt.
Was heißt das für die Karibik insgesamt?
Laut USF lagen die Mengen im September fast überall in der Karibik noch über dem langjährigen Mittel. Weniger anfällig sind in der Regel Strände an West- und Südküsten sowie Inseln außerhalb des Hauptgürtels. Genannt werden etwa Seven Mile Beach auf Grand Cayman, Eagle Beach auf Aruba, der Seven Mile Beach von Negril auf Jamaika oder Bayahíbe an der Südküste der Dominikanischen Republik. Wer für den Winter zwischen mehreren Inseln schwankt, findet einen Vergleich in unserem Ratgeber zur besten Reisezeit für Nordamerika und die Karibik.
Was Reisende jetzt tun sollten
- Winterurlaub entspannt buchen: Für Reisen ab November sprechen alle Prognosen für deutlich weniger Seetang. Eine Garantie für saubere Strände gibt es aber nicht.
- Auf die Lage achten: Hotels am Nordarm der Hotelzone, auf Isla Mujeres oder an der Westküste von Cozumel sind weniger anfällig als Häuser an der offenen Ostküste.
- Ampel prüfen: Die Sargassum-Ampel der mexikanischen Marine zeigt mit vier Farben von Grün bis Rot die Lage an den einzelnen Stränden. Die rote Badeflagge ist etwas anderes: Sie warnt vor Wellen und Strömung, wie am 2. Oktober an acht Stränden in Cancún.
- Abstand halten: Verrottender Seetang setzt Gase wie Schwefelwasserstoff und Ammoniak frei, die Kopfschmerzen, Übelkeit und gereizte Augen verursachen können. Meiden Sie große, faulende Haufen, besonders mit kleinen Kindern.
- Plan B einbauen: Cenoten, Maya-Ruinen und Bootsausflüge nach Isla Mujeres oder Cozumel retten auch Tage mit Algen am Hotelstrand. Grundlagen zu Einreise und Rundreisen bietet unser Mexiko-Reiseführer.
Häufige Fragen zum Sargassum-Rekord 2026
Ist Cancún im Winter 2026/27 frei von Sargassum?
Weitgehend, aber nicht vollständig. Die Fachleute in Quintana Roo und an der University of South Florida erwarten für November und Dezember nur noch geringe Anlandungen. Kleine Mengen können trotzdem angespült werden, und neue Algenteppiche sind schon ab Januar 2027 möglich.
Welche Strände in Cancún haben am wenigsten Seetang?
Die Strände am Nordarm der Hotelzone sowie die Playa Norte auf Isla Mujeres sind am besten geschützt. Auch die Westküste von Cozumel blieb 2026 vergleichsweise sauber. Stark betroffen waren dagegen Playa Delfines und andere offene Strände an der Ostseite der Hotelzone.
Warum gibt es immer mehr Sargassum?
Der Algengürtel im Atlantik ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Behörden auf der Konferenz in Cancún schätzen die Menge im Atlantik für 2026 auf rund 60 Millionen Tonnen und erwarten für 2027 bis zu 80 Millionen Tonnen. Nach Angaben der Semarnat lagen die Mengen in der Karibik 2026 zeitweise um das 25- bis 27-Fache über dem historischen Durchschnitt.
Kann ich wegen Sargassum kostenlos stornieren?
Kaum. Bei Pauschalreisen ist ein kostenloser Rücktritt nur möglich, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort die Reise erheblich beeinträchtigen. Seetang am Hotelstrand dürfte diese Schwelle in aller Regel nicht erreichen, zumal das Phänomen seit Jahren bekannt ist. Fragen Sie das Hotel vor der Buchung nach Kulanzregeln oder Transfers zu saubereren Stränden.
Quellen: Por Esto (01.10.2026), Reportur (29.09.2026), El Heraldo de México (01.10. und 03.10.2026), Excélsior (01.10.2026), EFE/Infobae (02.10.2026), Notigram (01.10.2026), University of South Florida, Sargassum Outlook Bulletin (30.09.2026), Mexico News Daily (14.08.2026), The Cancun Sun (02.10.2026), Caribbean News Digital (30.09.2026), The Conversation/University of Essex (02.10.2026) (Stand: 04.10.2026).
