Die atlantische Hurrikansaison 2026 ist ohne einen einzigen Hurrikan in den Oktober gegangen. So spät war das zuletzt 1914. Bis zum 4. Oktober bildeten sich acht Tropenstürme, keiner erreichte Hurrikanstärke. Die Forscher der Colorado State University nennen 2026 die bisher ruhigste Saison seit Beginn der Satellitenbeobachtung. Vorbei ist sie trotzdem nicht: Sie endet erst am 30. November, und das US-Hurrikanzentrum beobachtet bereits ein neues Tief im Golf von Mexiko.

Was macht die Saison 2026 so außergewöhnlich?
Normalerweise haben sich bis Ende September im Atlantik etwa fünf Hurrikane gebildet. 2026 waren es null. Laut Weather Channel lag der bisher späteste Termin für den ersten Hurrikan der Satellitenära, die 1966 beginnt, am 11. September (2002 und 2013). Dieser Rekord ist längst gebrochen. Seit dem 21. September ist 2026 zudem die erste Saison seit 1914, die so lange ohne Hurrikan geblieben ist. Komplett ohne Hurrikan verliefen nach den historischen Aufzeichnungen nur die Jahre 1907 und 1914. Damals gab es allerdings noch keine Satelliten, Stürme über dem offenen Meer könnten also übersehen worden sein.
Die US-Wetterbehörde NOAA hatte die geringe Aktivität vorhergesagt. In ihrer Prognose vom 6. August erwartete sie 7 bis 13 benannte Stürme und 2 bis 6 Hurrikane, bei einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für eine unterdurchschnittliche Saison. Zum Vergleich: Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 gibt es 14 benannte Stürme, sieben Hurrikane und drei schwere Hurrikane. Dass bis Oktober aber überhaupt kein Hurrikan entsteht, hatte kaum jemand erwartet. Wie die Hurrikansaison in die Reiseplanung passt, erklärt unser Ratgeber zur besten Reisezeit für Nordamerika und die Karibik.
Welche Stürme gab es bisher?
Die acht benannten Stürme hießen Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly, Edouard, Fay, Gonzalo und Hanna. Am nächsten an die Hurrikanschwelle von 119 Kilometern pro Stunde kam Fay, der sich um den 20. September im Seegebiet der Azoren bildete und Dauerwinde von rund 110 Kilometern pro Stunde erreichte. Spürbare Folgen an Land hatten vor allem die frühen Stürme im Golf von Mexiko: Arthur brachte im Juni Rekordregen nach Louisiana, Bertha traf im Juli ebenfalls auf die Küste von Louisiana. Florida, die Karibikinseln und die mexikanische Karibikküste blieben von Landgängen bisher verschont. Als letzter Sturm verlor Hanna am 30. September über dem offenen Atlantik seine tropischen Eigenschaften.
Warum bleibt der Atlantik so ruhig?
Ein sehr starker El Niño
Hauptursache ist nach übereinstimmender Einschätzung von NOAA und Colorado State University ein sehr starker El Niño im Pazifik, der sich im Juni 2026 eingestellt hat. Er verändert die Luftströmungen weltweit und verstärkt über dem tropischen Atlantik die Windscherung, also den Unterschied von Windrichtung und Windstärke zwischen den unteren und oberen Luftschichten. Diese Scherung zerreißt entstehende Wirbelstürme, bevor sie sich organisieren können.
Absinkende und trockene Luft
Dazu kommen nach Angaben von Fachleuten, die Yale Environment 360 zitiert, großräumig absinkende und trockene Luftmassen. Sie verhindern, dass sich die hohen Gewittertürme bilden, aus denen Hurrikane entstehen. Alex DaSilva, leitender Hurrikanexperte beim Wetterdienst AccuWeather, hält es inzwischen für zunehmend wahrscheinlich, dass die Saison zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert ganz ohne Hurrikan endet.
Der Pazifik ist dafür umso aktiver
Auf der anderen Seite Mexikos zeigt sich das Gegenteil. Der östliche Pazifik erlebt eine überdurchschnittliche Saison. Am 4. Oktober zog Hurrikan Rachel mit Dauerwinden um 170 Kilometer pro Stunde einige Hundert Kilometer südwestlich der Südspitze von Baja California nach Westnordwesten, Warnungen für die Küste gab es nicht. Südlich des Golfs von Tehuantepec erwartet das Hurrikanzentrum mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit binnen einer Woche ein weiteres tropisches Tief vor der Pazifikküste Südmexikos. Wer im Oktober nach Los Cabos reist, sollte deshalb die Meldungen für den Pazifik im Blick behalten. Hintergründe zur Halbinsel finden Sie im Reiseführer Baja California.
Wie geht es im Oktober und November weiter?
Im Oktober verlagert sich die Entstehung von Stürmen in der Regel nach Westen, vor allem in die westliche Karibik und den Golf von Mexiko. Laut Weather Channel entstehen im Oktober im Mittel ein bis zwei Hurrikane, im November nur etwa alle drei Jahre einer. In Jahren mit sehr starkem El Niño wurden seit 1950 nur drei von neun Stürmen im Oktober und November zu Hurrikanen.
Ganz ohne Risiko ist der Spätherbst trotzdem nicht. Die Colorado State University sieht in ihrer Zwei-Wochen-Prognose vom 30. September zwar eine Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent für unterdurchschnittliche Aktivität bis zum 13. Oktober. Die Wettermodelle deuten aber auf eine mögliche Sturmbildung im südlichen Golf von Mexiko zwischen dem 8. und 13. Oktober hin. Das US-Hurrikanzentrum NHC bestätigte am 4. Oktober: Über dem südwestlichen Golf dürfte sich Mitte der Woche ein Tief bilden, die Chance auf ein tropisches Tiefdruckgebiet binnen sieben Tagen liegt bei 40 Prozent. Dass späte Stürme gefährlich sein können, zeigen frühere Jahre: Wilma traf im Oktober 2005 auf Yucatán, Milton am 9. Oktober 2024 auf Floridas Westküste und Melissa am 28. Oktober 2025 auf Jamaika.
Was bedeutet das für Florida, die Karibik und Mexiko?
Florida
Florida erlebt nach 2025, als erstmals seit 2015 kein Hurrikan die USA traf, das zweite ruhige Jahr in Folge. Für Herbstreisen ist das eine gute Nachricht. Der Golf von Mexiko bleibt aber das Gebiet, das im Oktober am genauesten beobachtet wird. Die Westküste zwischen Tampa und Sarasota war 2024 von Helene und Milton schwer getroffen worden. Was dort heute wieder offen ist, steht im Regionen-Führer Florida.
Karibik
Auf den Inseln beginnt im Dezember die Trockenzeit. Wer jetzt bucht, kann meist mit stabilem Wetter rechnen, sollte für Reisen bis Ende November aber flexible Tarife wählen. Auf Jamaika wirkt Hurrikan Melissa ein Jahr später noch nach, der Großteil der Urlaubsorte ist aber wieder geöffnet. Den aktuellen Stand beschreibt unser Reiseführer Jamaika.
Mexikanische Karibikküste
An der Riviera Maya fällt das Ende der Regenzeit mit dem Rückgang des Sargassums zusammen. Ab November sind die Bedingungen in der Regel deutlich stabiler.
Was Reisende jetzt tun sollten
- Warnungen verfolgen: Das US-Hurrikanzentrum NHC veröffentlicht mehrmals täglich Ausblicke für Atlantik und Pazifik. Das Auswärtige Amt weist für Mexiko, Jamaika und die übrige Karibik auf die Wirbelsturmsaison von Juni bis November hin.
- Flexibel buchen: Für Reisen bis Ende November lohnen Tarife mit kostenloser Umbuchung oder Stornierung. Das gilt besonders für Hotels und Flüge, die Sie einzeln buchen.
- Rechte kennen: Bei Pauschalreisen dürfen Sie kostenlos zurücktreten, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort die Reise erheblich beeinträchtigen. Laut Verbraucherzentrale muss der Reisepreis dann innerhalb von 14 Tagen erstattet werden. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist ein wichtiges Indiz, aber keine Voraussetzung.
- Versicherung prüfen: Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nach Angaben von Verbraucherzentrale und ADAC in der Regel nicht bei Naturereignissen. Sie greift vor allem bei persönlichen Gründen wie einer schweren Krankheit.
- Insel mit Bedacht wählen: Welche Insel zu Ihrem Reisetermin passt, zeigt unser Vergleich Welche Karibik-Insel passt zu Ihnen?
Häufige Fragen zur Hurrikansaison 2026
Gab es 2026 schon einen Hurrikan im Atlantik?
Nein. Bis zum 4. Oktober 2026 haben sich im Atlantik acht Tropenstürme gebildet, aber kein Hurrikan. So spät war das seit 1914 nicht mehr der Fall. Im östlichen Pazifik gab es dagegen bereits mehrere Hurrikane, darunter Rachel vor Baja California.
Ist es sicher, im Oktober nach Florida oder in die Karibik zu reisen?
Das Risiko ist 2026 geringer als in einem durchschnittlichen Jahr, aber nicht null. Die Saison läuft bis zum 30. November, und im Oktober entstehen Stürme vor allem in der westlichen Karibik und im Golf von Mexiko. Verfolgen Sie vor und während der Reise die Meldungen des US-Hurrikanzentrums und buchen Sie möglichst flexibel.
Kann ich eine Reise wegen eines Hurrikans kostenlos stornieren?
Bei einer Pauschalreise ja, wenn der Sturm Ihr Reiseziel im Reisezeitraum konkret und erheblich betrifft. Die bloße Sorge vor einem möglichen Sturm reicht laut ADAC nicht. Bei einzeln gebuchten Hotels fallen meist Stornogebühren an, solange die Unterkunft erreichbar und sicher ist.
Warum gibt es 2026 so wenige Hurrikane?
Hauptgrund ist ein sehr starker El Niño. Er verstärkt die Windscherung über dem tropischen Atlantik, dazu kommen absinkende und trockene Luftmassen. Beides verhindert, dass sich Tropenstürme zu Hurrikanen verstärken.
Quellen: National Hurricane Center (Tropical Weather Outlook und Advisories vom 04.10.2026), Colorado State University, Zwei-Wochen-Prognose (30.09.2026), NOAA (06.08.2026), The Weather Channel (30.09.2026), Yale Environment 360 (30.09.2026), forschung-und-wissen.de (21.09.2026), Verbraucherzentrale (03.08.2026), ADAC (14.08.2026), Auswärtiges Amt (Stand: 04.10.2026).
